Star Trek XI – Eine Kritik

startrek11enterpriseGestern Abend war es endlich soweit. Nach monatelangem Warten wurde es dunkel im Kinosaal und mit dem Paramount-Logo begann eine zweistündige Reise durch das neue „Star Trek“.

Meine Eindrücke und mein Fazit zum neuen Film von J.J. Abrams möchte ich Euch im Folgenden kurz zusammenfassen.

VORSICHT: Spoiler!

Ich muss sagen das ich mich lange nicht mehr so sehr auf einen Film gefreut habe wie auf Star Trek.
Immerhin ist es sieben Jahre her seitdem mit Nemesis das letzte Kinoabenteuer auf Reisen ging und wohl alle Fans haben sich gefragt, wie es nun weitergehen würde.

Um es vorweg zu nehmen: Ich habe vor meinem Kinobesuch gestern die offizielle Vorgeschichte in Form des Comics „Star Trek Countdown“ gelesen und war entsprechend auf den durch Rache angetriebenen Nero, den gescheiterten Spock und auf das durch Borg-Technologie verbesserte Borhschiff „Narada“ vorbereitet.

Hätte ich dieses Vorwissen nicht mitgebracht – mir hätte der Film noch mehr offene Fragen hitnerlassen, als er es leider auch so schon tat.

Die erste Hälfte

kelvinGrandiose Effekte

Schon in den ersten Minuten geht es wirklich zur Sache und das in wirklicher Star Trek-Manier.
Die Narada, das Schiff der durch ein schwarzes Loch in die Vergangenheit geschleuderten Romulaner, taucht direkt vor der USS Kelvin auf und eröffnet das Feuer.

Die Kelvin hat keine Chance und ihr Captain hat keine Wahl als sich dem finsteren Nero zu stellen.
Wir erleben ein spannendes Gefecht in deren Verlauf Lt. Gerorge Kirk das Kommando übernimmt und sich heldenhaft opfert um seine Crew, seine Frau und seinen noch ungeborenen Sohn James T. Kirk zu retten.

Der Einstieg hätte besser nicht sein können und so versprach ich mir noch einiges vom Rest des Films.

25 Jahre

neroRache ohne Ende?

Leider fangen hier auch schon meine Schwierigkeiten mit Star Trek XI an… Nach dem Angriff auf die Kelvin zieht sich Nero offenbar zurück und tut… nichts.
Das jedenfalls will der Film einem glauben machen, aber das passt meiner Meinung nach nicht zu jemandem, der von Rache getrieben ist und Hass auf Vulcan und auf die Föderation verspürt.

Angeblich wollte er auf Spock warten, der kurz nach ihm in das schwarze Loch gezogen wurde, aber nicht zeitgleich in der Vergangenheit landete… Was aber treibt jemand mit einem bis an die Zähne bewaffneten Schiff ein viertel Jahrhundert lang und wie tief muss dessen Hass sein, damit er später immer noch voller Zorn endlich Vulcan und später auch die Erde auf’s Korn nimmt?!

Vulcan stirbt

liebeleiZeit für eine Liebelei?

Dieser kleine Holperstein mag noch als verschmerzlich erscheinen, aber mit dem Gefühl „Hab ich jetzt irgendwas nicht mitbekommen“ blickte ich entsetzt auf die Szenen, in der Nero innerhalb Vulcans ein schwarzes Loch erzeugte und der Planet nun implodierte.
Der kommandierende Offizier Spock weißt hierbei Uhura an, sofort Vulcan zu warnen, da dem Planet nur noch Minuten bleiben würden… Madamme jedoch verlässt zunächst Ihre Station um zu Spock zu eilen und ihn in den Arm zu nehmen… Millionen Leben retten durch Frühzeitwarnung – Wozu?!

Das ganze eskalliert dann auch noch später in einer Liebesszene, in der Uhura im Transporterraum um den Hals fällt und die beiden sich küssend und schluchzend in den Armen liegen… Wenigstens erfährt man so den Vornahmen der schönen Kommunikations-Offizierin, aber mal ehrlich… das ist das Flagschiff der Föderation … Es ist die Enterprise … es herrscht Krieg … und die spielen da Beverly Hills 90210?

Teenager-Brücke

brueckeSo souverän wie auf diesem Bild wirkt die Crew in Aktion noch nicht

Überhaupt entdeckt man mehr und mehr Ungereimtheiten… So besteht die Brückencrew des Flagschiffs (!) hauptsächlich aus Jungspunten und Teenagern – Kadetten die noch nicht mal ausgelernt haben und nun das beste Schiff der Flotte steuern dürfen … Zugegeben … als Sulu den Warpstart verpatzt, ist das eine lustige Szene im Film, aber irgendwie fragt man sich, ob ein 17-jähriger Checkov wirklich hätte sein müssen.

„Praktisches Design“

wasserrutschenLustige Wasserrutsche

Die Praktikabilität ist es die mich hierbei stört… Ich kann es Abrams einfach nicht abkaufen, das es keine anderen Schiffe im Föderationsraum gibt, die schnell genug reagieren können, so das es erforderlich wird, die Fahrschüler ans Steuer zu lassen.
Das ganze setzt sich dann im Design der Raumschiffe fort…
An Bord der Enterprise sieht man neben dem Maschinenraum und der Wasseraufbereitung auch „Arbeitshallen“ wo zahlreiche Kadetten/Offiziere ihre Arbeit an Konsolen verrichten… Allerdings wirkt alles so dermaßen durcheinander und „unbenutzbar“ das man sich fragt, wie hier organisiertes Handeln möglich sein soll.

Die Krönung hierbei sind im Zickzack verlaufende Rohrsysteme für die Frischwasser-Aufbereitung die lustiger Weise auf und ab durch die gesamte Halle verlegt wurden und – natürlich – am Ende in einem riesigen Mixer enden…

Hier sieht man Abrams Anspruch – Hauptsache eine Szene ist witzig/entertainig (hier konkret, beamt sich Scotty in eben diese Wasserleitung), ob die Glaubwürdigkeit dabei auf der Strecke bleibt ist egal…

Das Ende

naradaDie Narada

Tja und so begibt es sich auch, das der große Bösewicht Nero auch sang- und klanglos untergeht und irgendwie die ganze Zeit mehr oder minder passiv ist, während sich Kirk, Spock, Uhura und die anderen alle lieben lernen und nur so nebenbei die Galaxis retten.

Die in den ersten Minuten des Films greifbare Bedrohung kann sich meiner Meinung nach leider nicht bis zum Ende hin durchziehen und so ist freut man sich fast mitleidig für Nero, als er endlich abtreten darf und sein Schiff in einem erneut erzeugten schwarzen Loch gefaltet wird.

Fazit
Alles in allem wird Abrams wohl erreichen was er und Paramount geplant haben… Der Film wird erfolgreich sein.
Die vielen Vorschuss-Lorbeeren zahlen sich aus, sind aber meiner Ansicht nach nicht alle 1:1 gerechtfertigt.

Zwar hat der Film durchaus seine Momente, aber für mich sind ein paar witzige Sprüche und gute Effekte eben nicht alles.

Der Film wirkt für mich etwas wie ein Pappaufsteller, der wenn man ihn von der Seite betrachtet leider nicht viel Tiefe aufweist. Vieles geht unnötig schnell und passierr leider zum Teil auch „unlogisch“.

Die Musik ist recht unauffällig und das einzige Thema wird für meine Ohren viel zu oft „verwurstet“. Die Effekte sind – typisch ILM – State of the Art und auch die Choreographie ist stimmig.

Nach einer Nacht „darüber schlafen“ bleibt bei mir leider der fade Beigeschmack einer Space-Soap zurück, die zwar durchaus potential hat in die großen Fußstapfen Star Trek’s treten zu können, es jedoch aufgrund benannter Probleme nicht schafft.

Vielleicht war die Erwartungshaltung auch einfach zu groß, aber leider konnte mich Star Trek XI nicht überzeugen. Der Film ist nicht unbedingt schlechter als seine Vorgänger, im Gegenteil – er versucht neue Wege zu gehen – aber leider geht er dabei auch einher mit neuen Fehlern, die mir den Spass am Ganzen doch etwas zu trüben vermochten.

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