Der Weg zur Story

Seit 2009 ist nun schon viel Zeit vergangen und die Berichte über den Verzug beim Skript von Star Trek 12 mehren sind und lassen Raum für Spekulationen.
Wie kann es sein, das ein (finanziell) erfolgreicher Film – und das ist ja für Hollywood der heilige Gral – so lange auf seine Fortsetzung warten muss? Ich will mich nicht an die „Woran liegt es nun wirklich“-Diskussion anschließen, die seit längerem durch Foren und Fanseiten geht, sondern Parallelen ziehen zu Star Trek: Origins.

Klar – bei unserem Projekt involvieren wir uns freiwillig in unserer Freizeit und ohne Bezahlung. Job, Familie, Privatleben geht oft vor und verzögert das es mit großen Schritten vorangeht. Ressourcen sind knapp und wenn jemand keine Zeit/Lust hat, hat man kein Mittel um entgegenzuwirken. Dennoch möchte ich ein paar Zeilen darüber verlieren, wie schwierig es sein kann, eine in sich geschlossene Storyline zu schreiben, deren Handlung spannend und deren Charaktere glaubhaft sind.

Der erste Entwurf von Origins – damals noch an Bord der USS Lexington und im TNG-Zeitalter spielend – hatte eine Grundidee: Lasst uns ein Spiel machen das mit Star Trek zu tun hat und sich mit dem Ursprung der Borg beschäftigt.

Es gab viele interessante Ansätze und zu Beginn ging es eigentlich nur darum, alles was irgendwie „Cool“ war zusammen zu werfen. Damals war ich noch Einzelkämpfer und hatte mir diese fixe Idee in den Kopf gesetzt, ein Spiel wie z.B. A Final Unity im Alleingang stemmen zu können – eine Ansicht die ich mittlerweile zum Glück heute nicht mehr teile 😉
Irgendwann stellte ich fest, das die Story die ich auf – ich glaube – etwa 5 Seiten stichpunktartig heruntergeschrieben hatte sich noch besser einige hundert Jahre früher und an Bord der Enterprise NX-01 ereignen könnte.
Flux nahm die Arbeit an Origins ihre einschneidenste Wende und zugleich wuchsen damit auch die Probleme.
Während ich an Bord der Lexington schon darauf achtete, den Canon zu wahren und echte Charaktere und Ereignisse- sofern sie denn beschrieben waren – mit in den Lauf der Geschichte zu integrieren, blieb ich ansonsten recht frei in der Entwicklung der Story und konnte vieles neu erfinden.
An Bord der Enterprise jedoch, galt es eine Vielzahl bekannter Charaktere und Geschehenisse logisch und die Vorlage respektierend in Star Trek: Origins einzufügen. Anfangs ging ich noch davon aus das man auf Grundlage der zahlreichen Episoden und den vielen Informationen z.B. auf www.memory-alpha.de eine leichtere Aufgabe vor sich hat, als sich alles neu einfallen zu lassen. Sehr bald jedoch stellte ich fest, das es gerade der Canon war, der es in sich hatte 😉

Während man im Schreibfluss ist gleichzeitig darauf Acht zu geben, das man nichts schreibt was eventuell mit Episode XYZ in Konkurrenz steht ist schwieriger als man glauben mag und so nahm es einige Zeit in Anspruch bis der erste wirkliche Entwurf auf den Beinen stand.
In dieser Zeit wuchs auch das Team um Origins und so sorgen zahlreiche neue Ideen und viele Meinungen und Kritiken dazu, das viele Passagen verworfen, ergänzt und/oder hinzugefügt wurden. Alles in allem ein sehr zeitaufwändiger aber spannender Prozess, denn während man allein im stillen Kämmerchen hockt und in die Tasten haut, passiert es nur allzu oft, das man den Fokus verliert und den eigenen Wissenstand den man sich durch das Wälzen unzähliger Enzyklopädien angeeignet hat auch von seinen Lesern, respektive Spielern erwartet. Das erste Feedback war in Folge dessen niederschmetternd 🙂 Ok, es war nicht wirklich so schlimm, aber wenn man bis eigenbrödlerisch an der Geschichte gearbeitet hat, hofft man natürlich das alle Leute sie sofort und sogleich toll finden – nun … dem war nicht (ganz) so 😉

Mittlerweile gingen wir mit der Zeit und die Story wurde in einem eigens eingerichteten Wiki gemeinsam weiterentwickelt und im Forum diskutiert. Ein Prozess der sich lange hinzog und – zugegeben – auch für einige Frustration sorgte, denn es begann ein oft zähes Hin und Her zwischen verschiedenen Story-Varianten. Hauptaugenmerk bei den Überarbeitungen lag dabei auf der Motivation einzelner Charaktere in der Handlung. Es gibt fast nichts schlimmeres in einer Erzählung, wenn man nicht nachvollziehen kann, warum der Protagonist so handelt wie er es tut. Nichts lag uns ferner als ein Niveau ala Transformers zu erreichen, mit viel bunt, aber wenig dahinter 😉 Also drehten wir uns oftmals im Kreis, erfanden, verwarfen, erfanden …

Irgendwann führte dieser Prozess dazu das bei allen die Luft raus war und es wurde Zeit für eine weitere Phase „im Stillen“, in der die gewonnen Erkenntnisse und Ideen ausgearbeitet werden sollten. Eben dieser Vorgang ist nun beendet und entstanden ist eine spannenden und mitreißende Story nebst Rätseln (diese entstanden parallel), welcher es jetzt ein Gesicht zu geben gilt. Die gemeinsame Arbeit an der Story hat selbige Erwachsen gemacht und sie ist dadurch so unendlich viel besser geworden, das ich kaum ausdrücken kann wie ich meinen Mitstreitern und Co-Autoren dankbar bin!

Natürlich wären wir selbst gern weiter, aber so wie Orci & Co es immer wieder sagen „… we didn’t want to rush it…“ 😉
Es hat sich gelohnt viel Zeit und Arbeit in die Basis, in die Grundlage des Spiels zu stecken und wir hoffen nun konzentriert an der eigentlichen Umsetzung arbeiten zu können. Als erstes stehen dabei die Scribbles auf der Tagesordnung und von denen brauchen wir eine Menge 😉

Eine Erfahrung die wir machen konnten jedoch ist, das der Prozess der Storyentwicklung eigentlich nie ganz zu Ende ist… Jedoch werden die Ausschläge der Abweichungen kleiner und an diesem Punkt sind wir nun angelangt. Detailverbesserungen wird es sicher noch geben – das große Ganze jedoch steht und wartet auf seine Veröffentlichung.
Ich hoffe das gleiche lässt sich auch bald über Star Trek 12 sagen … die 2 Jahre bis jetzt haben die Autoren hoffentlich dafür aufgewendet zu verhindern, das wieder so viele kratergroße Plot-Holes das Zuschauen teilweise zur Anstrengung machen. Allerdings kann ich – nach den Jahren mit Origins – auf jeden Fall nachvollziehen, das der kreative Prozess zum Verfassen einer runden Story voller Sackgassen und Stolpersteine ist. Um so schöner ist es, wenn man am Ende eines weiteren dieser Tage den Laptop zuklappen kann und in sich fühlt „sie ist fertig!“.

Mit diesem Einblick in die bisherige Entwicklung und mit einem kurzen Auszug aus dem Prolog von Origins möchten wir Euch nun allen eine schöne Woche wünschen und wir bedanken uns ganz herzlich bei all den Fans die – obwohl noch nicht viel zu sehen ist – zu uns halten! Ihr seid die größte Motivation überhaupt!

 

Star Trek: Origins – Stand August 2011

Prolog

März 2153.

Als man am nördlichen Polarkreis auf der Erde ein vor fast 100 Jahren abgestürztes Schiff und einige Leichen findet ist die Sternenflotte sehr daran interessiert herauszufinden, was es mit diesem ungewöhnlichen Fund auf sich hat und entsendet eine Forschungsexpedition zum Absturzort.

Es ist Admiral Forrest der die Enterprise NX-01, eines der modernsten und fortschrittlichsten Schiffe seiner Zeit, um Hilfe ruft, als der Kontakt zum Forschungsteam in der Arktis abbricht und nur noch Überreste der kleinen Forschungsstation gesichert werden können.

Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand mit welcher bösartigen Macht man es zu tun hatte. Keiner hatte je von der Spezies namens „Borg“ gehört, noch hatte man auch nur eine Ahnung davon gegen welche technologische Übermacht man gewillt war in den Kampf zu ziehen.

Paradox das diese Geschichte ihren Anfang erst in fast 200 Jahren haben wird, wenn eine Gruppe von Borg versuchen wird die Erde zu assimilieren – und als dies von der USS Enterprise unter dem Kommando von Captain Jean Luc Picard verhindert wird – den selben Versuch in der Vergangenheit kurz nach dem dritten Weltkrieg zu wiederholen. Auch hier kann die Crew der Enterprise E die Pläne der Borg vereiteln, muss dafür jedoch empfindliche Verluste hinnehmen.

Der unfassbaren Widerstands- und Anpassungsfähigkeit des Borg-Kollektivs zu trotzen ist nur wenigen gelungen und die meisten die es versuchten, fielen selber dem Hive-Bewusstsein zum Opfer. Den Tod zu finden war die eine, bewusst die eigene Existenz zu verlieren eine andere Sache. Selbst mit ansehen zu müssen wie man eigenhändig seine Kameraden, seine Freunde oder gar seine eigene Familie tötet, der Fähigkeit des eigenen Willens beraubt sich gegen die Tat zu widersetzen, muss eine grausame Erfahrung sein. Seine einstigen Gefährten dem gleichen Schicksal auszuliefern, in dem man sie mittels kleiner aus den Unterarmen hervorschnellender Röhrchen und den so in den Blutkreislauf seines Opfers injizierten Naniten in das alles beherrschende Kollektiv assimiliert, treibt diese Grausamkeit in ganz andere Dimensionen. Mütter kennen ihre Kinder nicht mehr. Brüder wenden sich gegen Ihre Geschwister. Liebende stürzen in ein tragisches Chaos voll unendlichen Leids.

Im Kollektiv gibt es nur die eine Stimme. Die Individualität ist ausradiert und existiert nur noch als ein für alle anderen im Kollektiv abrufbares Echo. Die eigenen Gedanken sind die Gedanken aller, die Gedanken aller sind die eigenen. Wie ein Bienenschwarm funktioniert das komplexe System mit all seinen Milliarden Drohnen wie ein gewaltiger Organismus, dem einzigen ideologischen Drang unterworfen zu expandieren, sich zu verbessern und die ultimative Perfektion in allem Sein zu erreichen. Wer sich diesem Streben widersetzt, wer Widerstand leistet, wird assimiliert oder vernichtet. Wer sich nicht fügt, wird ausgelöscht. Ganze Welten haben aufgehört zu existieren und die phantastischsten Kulturen wurden ihrer Eigenheiten beraubt; nur noch verstümmelt und als Teil des großen Kollektivs, vermengt mit tausenden anderen assimilierten Rassen, fristen ihre einstigen Angehörigen ein schattenhaftes Dasein. Leid, Mitgefühl, Gnade – fundamentale Werte kennen die Borg nicht. Nur der reine Wunsch nach Vollkommenheit bestimmt ihr Handeln.

Als bloße Folge dieses Strebens und zur Ausführung ihrer Pläne, assimilierten die wieder zum Leben erwachten Borg am Nordpol das Forschungsteam und flohen mit Hilfe eines Transporters von der Erde. Das Schiff war bald nicht mehr wieder zu erkennen, denn es wurde Stück für Stück verändert und aufgerüstet. Antriebssysteme, Waffen, Navigation – die Borg setzten all ihre Fähigkeiten ein, um aus dem wehrlosen Transportschiff einen ernstzunehmenden Kontrahenten zu machen.

Als es der Enterprise endlich gelingt den modifizierten Frachter aufzubringen, hat das Kollektiv an Bord bereits Vorkehrungen getroffen, um das Erdenschiff auszuschalten. Zuvor assimilierte und an Bord geholte Crewmen eines angegriffenen Frachtschiffs sabotierten vitale Systeme der Enterprise und Captain Archer hatte keine andere Wahl als die soeben geretteten Besatzungsmitglieder, über eine Druckschleuse in den freien Weltraum zu katapultieren – nur so konnten seine Crew und er die Enterprise und ihre Besatzung vor der Zerstörung bewahren.

Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt das neben den Borg auch noch eine weitere Partei anwesend war. Beobachtend. Passiv. Abwartend….

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